Wenn die Sporen wandern, von den Birnen zum Wacholder

Der Birnengitterrost. Ab Mitte Mai geht es los. Auf den Birnenblättern zeigen sich mehrere gelbe Flecken, die sich orange-rot verfärben.

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diese können bis zu einem Zentimeter groß werden . Unter den Blättern entwickeln sich braune Wulste. Der Befall kann so groß werden, dass die Birne eine Vielzahl an Blättern verliert, und die Birnenernte spärlich ausfällt. Jetzt im September, bevor die letzten Blätter dem Herbst zum Opfer fallen, ist die Zeit, in der die braunen Wulste aufbrechen und die Sporen sich aufmachen zu ihrem Winterquartier. Der Weg führt sie zum Wacholder. In meinem Garten war es der Sadebaum (Juniperus sabina),

an dem sich der Birnengitterrost im Herbst niedergelassen hat. Die Rostpilze überwintern ausschließlich auf dem Wacholder. Die Birnenbäume werden jedes Jahr neu befallen. Wenn der April oder Mai sehr feucht ist, dann kann der Pilz sich gut verteilen und vermehren. Wind und Regen können die Sporen mehrere Kilometer weit tragen. Ich habe den Entschluss gefasst, meinen Wacholder aus dem Garten zu entfernen. So habe ich den Neubefall gut in den Griff bekommen. Am Wacholder kann man den Pilz gut an den schuppenartigen Verdickungen an den Zweigen erkennen. Im Frühjahr platzen die Verdickungen auf und braune gallertartige Flüssigkeit kommt zum Vorschein. Dann kommt es wie jedes Jahr zum Befall am Birnenbaum. Leider hat nicht jeder die Möglichkeit den Winterwirt zu entfernen.

Meistens steht er unerreichbar in Nachbars Garten. Eine Biologische Behandlung mit einem Tee aus Rettich oder Ackerschachtelhalm (regelmäßige Spritzung nach dem Austrieb) macht den Birnenbaum widerstandsfähig. Eine gründliche Laubentfernung bringt keinen Erfolg, da die Sporen dort nicht überdauern können.

Und passend zur Herbsteszeit ein Gruß vom Pflanzenarzt und bis zur nächsten Woche.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,

Ein Birnbaum in seinem Garten stand,

Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,

Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,

Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,

Und kam in Pantinen ein Junge daher,

So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«

Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam

Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,

Wieder lachten die Birnen weit und breit;

Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.

Legt mir eine Birne mit ins Grab.«

Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,

Trugen von Ribbeck sie hinaus,

Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht

Sangen »Jesus meine Zuversicht«,

Und die Kinder klagten, das Herze schwer:

»He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –

Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;

Der neue freilich, der knausert und spart,

Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.

Aber der alte, vorahnend schon

Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,

Der wußte genau, was damals er tat,

Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,

Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus

Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,

Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,

Und in der goldenen Herbsteszeit

Leuchtet’s wieder weit und breit.

Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,

So flüstert’s im Baume: »Wiste ’ne Beer?«

Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,

Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand

Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

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